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Geschichte

Dr. Thomas Wiser

Dr. Thomas Wiser

1880 wurde in Regenstauf durch die testamentarische Festlegung von Dr. Thomas Wiser die Dechant Wiser Stiftung gegründet.

Thomas Wiser wurde am 15. April 1810 als Sohn von Johann Wiser, geboren am 30. Juli 1761 in Viechtach und von Beruf Bankmetzger und Maria Klara, geborene Mayerhofer aus Hengersberg, in Straubing geboren. Thomas Wiser war der Jüngste und hatte noch drei ältere Schwestern, von denen eine im Alter von zwei Monaten gestorben ist. Die Familie ist aus uns unbekanntem Grund nach Regensburg–Kumpfmühl gezogen, wo der Vater im Alter von nur 54 Jahren am 29. Mai 1815 an Wassersucht gestorben ist.

Am 9. Februar 1817 ist die Witwe noch einmal in den Ehestand mit dem ebenfalls verwitweten Franz Xaver Ebenhecht, Metzger und Wirt von Regenstauf, getreten. Er stammte aus dem Wirts- und Brauhaus in Hagenau, das zur Pfarrei Leonberg gehörte. Sie lebten und arbeiteten in der heutigen Hauptstraße 1 als Metzger beim „Bärenwirt“.

Der Witwer Ebenhecht brachte sechs Kinder aus erster Ehe mit, für die die Mutter von Thomas Wiser neben den Berufspflichten in der Gastwirtschaft und Metzgerei sorgen musste.

Von ihren eigenen Kindern brachte Maria Klara nur ihren jüngsten Sohn Thomas mit nach Regenstauf. Er musste ihre ganzen Sorgen und Kummer miterleben und verbrachte unter ärmlichen Verhältnissen seine Jugendzeit in Regenstauf. Zur Verbesserung seiner Lebenssituation verrichtete er für ihn angemessene Tätigkeiten und wurde schnell ein vielgenannter und bekannter Hirtenbube. Auch Bubenstreiche, z. B. Äpfel klauen, machte er mit, um seinen meist großen Hunger etwas zu stillen. Dies wurde ihm einmal zum Verhängnis, als der wachsame Obstbesitzer ihn dabei erwischte und ihm mit der Flinte Schrot ins Bein schoss.

Am 27. März 1825 starb seine Mutter an Lungenvereiterung (Lungenentzündung) im Alter von 60 Jahren und wurde in Regenstauf beerdigt. Noch nicht einmal 15 Jahre alt war unser Thomas Wiser, als er Vollwaise wurde. Er hütete zu dieser Zeit das Vieh von Amann Martin (Schreinerbauer), welches in unmittelbarer Nähe zur Kirche untergebracht war. Daraus entstand wohl auch der gute Kontakt zu dem damaligen Ortspfleger Anton Merl, der ihm ein väterlicher und fürsorglicher Gönner wurde.

Von ihm wurde berichtet, dass er mit ausgezeichneter Klugheit und Geschicklichkeit besonders auf dem Gebiet des Schulwesens seinen Dienst ausübte und es ihm gelang, nach vielen Mühen zusammen mit dem Benediktinerpater Placidus (Georg Hettenkofer) das hiesige Schulschwesternkloster im Jahr 1841 zu gründen. Diese beiden frommen Priester errichteten des weiteren eine Stipendienstiftung für Regenstaufer, durch die wahrscheinlich auch Thomas Wiser unterstützt wurde.

Thomas Wiser besuchte in Regensburg das Gymnasium und studierte dann an der Münchner Universität katholische Theologie. Die Ferien verbrachte der junge Student im Regenstaufer Pfarrhof bei Anton Merl, der später Dekan von St. Johann in Regensburg wurde.

Ein Jahr vor seiner Priesterweihe bat er den Regensburger Bischof Franz Xaver von Schwäbl, ihn aus der Regensburger Diözese zu entlassen, um ihm die Möglichkeit priesterlichen Wirkens im Erzbistum München–Freising zu erlauben.

Am 18. Dezember 1835 empfing er im Dom zu Freising die Priesterweihe. Sein erstes heiliges Messopfer feierte er in Regenstauf. Ganz Regenstauf jubelte dem früheren Hirtenknaben zu. Seine guten Studienerfolge krönte er 1837 mit dem theologischen Doktorrat und 1839 wurde er Professor für die erste Klasse am Gymnasium in Freising. Noch im gleichen Jahr wurde er zweiter Ehrenkanoniker beim königlichen Kollegiatsstift St. Cajetan und Stiftsprediger an der Theatinerkirche in München.

Seine Stärke und sein Talent lagen in der Wortverkündigung des Evangeliums. Thomas Wiser verfasste zahlreiche Schriften, u.a. das von ihm 1843 herausgegebene „Lexikon für Prediger und Katecheten“ in 16 Bänden.

Trotz seiner zahlreichen Ämter und Aufgaben verlor er nicht den Blick auf die Nöte und Bedürfnisse der Jugend. Im Jahr 1852 gründete er in Regensburg ein Kindheit-Jesu-Erinnerungshaus für verwaiste und verstoßene Mädchen, dessen langjähriger Vorstand er war. Dr. Wiser war auch Mitbegründer eines Vincentiusvereines, dessen Vorstand er mehrere Jahre war. Noch einige andere kleine Stiftungen verdanken ihm ihr Entstehen.

Mit 38 Jahren bekam Dr. Wiser auf Vorschlag des bayerischen Königs Ludwig I. das von Stingelheimische Kanonikat am Kollegiatsstift „Unserer lieben Frau zur Alten Kapelle“ in Regensburg als Anerkennung für seine Verdienste als königlicher Hofprediger. Vom 11. August 1855 bis 16. April 1862 wurde er vom König zum Stiftsdechant von St. Cassian in Regensburg ernannt.

Neben seiner seelsorglichen und schriftstellerischen Tätigkeit musste er ab 11. August 1855 auch das an Verwaltungsarbeit reiche Amt des Stiftsdekan übernehmen, in das ihn der bayerische König am

1.Juli 1855 berufen hatte.

Am 21. Dezember 1863 ernannte der Bischof Ignatius von Senestrey Dr. Wiser zum Bischöflich Geistlichen Rat.

Mit diesem Vermögen sollte nach seinem am 14. Juni 1873 verfassten 60-seitigen Testament eine Stiftung gegründet werden, die den Zweck verfolgt, arme Kinder der katholischen Markt- und Pfarrgemeinde Regenstauf in einer Anstalt zu betreuen.

Auszug aus dem Testament

Stifungsurkunde

Das Gebäude für die Anstalt, namentlich das Anwesen „Zum Reichsapfel“, wurde vom Stifter bereits 1869 zu diesem Zweck erworben.

Auch für seine Schwestern und Bediensteten sorgte er laut Testament lebenslang und gründete außerdem noch einige Nebenstiftungen. Seine Bibliothek mit über 1100 Büchern vermachte er in seinem Testament dem Ruralkapitel Schwandorf. Diese Bibliothek befindet sich heute in der Bischöflichen Zentralbibliothek St. Peter in Regensburg.

Als er am 6. August 1879 plötzlich am Schlagflusse (Schlaganfall) verstarb, wurde er zunächst am 8. August 1879 in Regensburg beigesetzt, aber nach seiner letztwilligen Verfügung nach Regenstauf überführt und am 27. August 1879 in der Familiengruft feierlich bestattet.

Das 19. Jahrhundert war für die Menschen sehr schwierig. Überall herrschte große Not und vor allem in Regenstauf war die Bevölkerung sehr arm und kinderreich. Hinzu kamen Jahre großer Trockenheit, länger andauernde Überschwemmungen, große Brandkatastrophen und eine hohe Arbeitslosigkeit. Thomas Wiser, der eng mit Regenstauf verbunden war, kannte diese Not sehr gut und wollte mit der Gründung der Erziehungsanstalt für arme Kinder so gut es ging Abhilfe leisten.

Leider konnte er die Erziehungsanstalt nicht mehr selbst ins Leben rufen und beauftragte für diesen Fall in seinem Testament den jeweiligen Pfarrvorstand, dies so bald als möglich zu tun.

Thomas Wiser war überaus sozial in seinem Denken und berücksichtigte in seinem Testament die Zukunft mit ungeahntem Weitblick. Sein bis ins kleinste Detail gehende Konzept sollte allen Stürmen und Veränderungen der Zeit gewachsen sein.

Erziehungsanstalt für arme Kinder

Wurzeln des Kinderheims

Wurzeln des Kinderheims

Die Ursprünge des Thomas Wiser Hauses, damals am Ortsrand von Regenstauf 

Am 24. Mai 1880 bezogen die ersten drei Franziskaner Ordensschwestern aus Mallersdorf mit insgesamt 24 Kindern (12 Mädchen und 12 Buben) die Erziehungsanstalt.

Ein am 1. Mai 1880 geschlossener Vertrag zwischen dem testamentarisch festgelegten Verwaltungsrat und dem Mutterhaus der Franziskanerinnen sah die Leitung, Erziehung, Verköstigung und überhaupt die Erledigung des ganzen Haushaltes der Kinder durch die Schwestern vor. Dafür sollten sie von Zeit zu Zeit einen Vorschuss von dem Verwaltungsrat erhalten. Größere Rechnungen, z.B. für Brot und Fleisch, sollten unmittelbar vom Verwaltungsrat bezahlt werden.

Bild 4 Vertrag mit Mutterhaus Auszug

Gestellungsvertrag der Mallerdorfer Schwestern

Es handelte sich jedoch um einen jederzeit widerrufbaren Vertrag durch das Mutterhaus, weshalb sich bei der Genehmigung durch das königliche Bezirksamt Stadtamhof einige Probleme ergaben. Nach zahlreichen Schriftwechseln wurde die endgültige Genehmigung nach Vorlage des Testaments, der Haus-Ordnung und des Vertrags mit dem Mutterhaus am 24. April 1881 erteilt. Dabei wurde eine jährliche Inspizierung durch das königliche Bezirksamt angeordnet.

Haus – Ordnung von 1880

Der Dechant Wiser´schen Erziehungsanstalt für arme Kinder

I. Leitung der Anstalt

§ 1

Die Dechant Wiser`sche Erziehungsanstalt für arme Kinder in Regenstauf steht unter dem zu diesem Zwecke erwählten Verwaltungsrat /:cf.pag: 23 Ziff. 4 der letztwilligen Verfügung des Stifters:/

§2

Im Inneren wird die Anstalt von Schwestern aus den Orden der armen Franziskanerinnen in Mallersdorf geleitet und ist das Verhältnis derselben zur Anstalt zu dem mit der Leitung der Geschäfte betrauten Verwaltungsrate, durch ein mit dem Mutterhause in Mallersdorf abgeschlossenen Vertrage geregelt.

II. Aufnahme der Zöglinge

 §3

 Die aufzunehmenden Kinder können sowohl Knaben als auch Mädchen sein und macht es keinen Unterschied, ob sie ehelich oder unehelich geboren sind, sie müssen aber arm sein und haben solche, die in der Erziehung vernachlässigt werden, den Vorzug.

§4

Die in der Erziehungsanstalt unterzubringenden Kinder müssen katholisch sein und das 3-te Lebensjahr zurückgelegt haben.

§5

Die Kinder erhalten die nötige Kleidung und Wäsche, dann die Kost unentgeltlich auf Kosten der Anstalt.

III. Grundsätze bezüglich der Erziehung

§6

Die Kinder der Anstalt sollen vorzugsweise nach dem Willen des Stifters zu brauchbaren landwirtschaftlichen Dienstboten herangebildet werden, weshalb ihre Erziehung für ihren künftigen Stand berechnet ist.

§7

Es ist deswegen alles aus der Erziehung wegzulassen, was die Kinder in ihren künftigen Verhältnissen nicht brauchen können, oder gar geeignet wäre, in derselben sie unzufrieden zu machen. Es soll aber nicht versäumt werden von dem, was die Kinder in ihren künftigen Standesverhältnissen nötig haben, oder ihnen das Fortkommen in derselben erleichtert. Die Erziehung soll daher immer auf der Höhe der Zeit stehen. Vorzüglich sollen die Kinder frühzeitig an Arbeitsamkeit und Genügsamkeit gewöhnt werden.

§8

Die Lebensweise der Kinder soll einfach, strenge geordnet und so beschaffen sein, dass dadurch ihre Befähigung zum künftigen Stand in jeder Beziehung gefördert wird.

§9

In den Sommermonaten haben die schulpflichtigen und die bereits aus der Werktagsschule entlassenen Kinder morgens um 5 Uhr, in den Wintermonaten um 6 Uhr, an Sonn- und Feiertagen eine halbe Stunde später aufzustehen.

Bei den Kindern vom 3-ten bis zum 6-ten Lebensjahre wird den vorbezeichneten Jahreszeiten entsprechend eine Stunde später aufgestanden.

Die werktagsschulpflichtigen Kinder und die Feiertagsschüler haben sodann gehörig gewaschen, gekämmt und vollständig angekleidet im Speisesaale zu erscheinen, wo selbst sie eine kurze Morgenandacht verrichten und hernach die Morgensuppe einnehmen.

Ist dieses geschehen, gehen dieselben geordnet unter Aufsicht in die heilige Messe und nach Beendigung derselben die Werktagsschüler in die deutsche Volksschule und die Feiertagsschüler sogleich wieder in die Anstalt zurück wo selbst sie die ihnen bekannt zugewiesene Arbeiten verrichten.

Die noch nicht schulpflichtigen Kinder haben ihre Morgenandacht, nachdem sie gewaschen, gekämmt und vollständig angekleidet sind, in der Hauskapelle zu verrichten, worauf sie dann im Speisesaal die Morgensuppe erhalten.

Um 8 Uhr abends wird jeden Tag nach gemeinschaftlicher Abendandacht zu Bette gegangen.

An Sonn- und Feiertagen besuchen die Feiertagsschulpflichtigen den Vormittagsgottesdienst, Nachmittags haben sie die Feiertagsschule zu besuchen und nach deren Beendigung gemeinschaftlich mit den Werktagsschülern den Nachmittagsgottesdienst beizuwohnen.

Außerdem haben alle hierzu Berufenen viermal des Jahres die heiligen Sakramente der Buße und des Altares zu empfangen.

§10

Kinder vom 3-ten bis zum 6-ten Lebensjahre stehen des Tages über immer unter Aufsicht einer Schwester, welche dieselben mit passenden Spielen, die älteren mit Erlernung kurzer Gebete etc. zu unterhalten hat.

Die Werktagschulpflichtigen haben nach Beendigung des Nachmittagsunterrichtes ½ Stunde Freizeit, danach haben sie die Hausaufgaben zu fertigen und wenn dieses geschehen, werden die Knaben in den Sommermonaten im Anstaltsgarten eine ihren Kräften entsprechende Arbeit verrichten, die Mädchen aber im Nähen, Stricken, Spinnen, Flicken etc. beschäftigt.

Die Feiertagsschulpflichtigen haben je nach der Jahreszeit entweder auf dem Felde, im Walde oder auf den Wiesen die vorhandenen Geschäfte unter Aufsicht zu besorgen, im Frühjahre namentlich aber bei Bestellungen des Gemüsegartens mitzuwirken.

§11

Das Erziehungspersonal wird sich angelegen sein lassen, dahin zu wirken, dass die in der Anstalt untergebrachten Kinder ungeheuchelte Frömmigkeit und wahre Gottesfurcht sich aneignen.

§12

Dem Vorstand des Verwaltungsrates und dem Erziehungspersonal sind die Kinder Gehorsam und Achtung schuldig. Sie sollen ihnen als ihren Vorgesetzten mit Offenheit entgegen kommen und jede Heuchelei und Verstellungen vermeiden.

Ungehorsam gegen die Vorgesetzten und Beleidigungen jeder Art werden mit Strafe geahndet.

IV. Von der Verpflegung

§13

Die Kinder erhalten eine einfache Kost, reinlich genügend und in einer der Gesundheit zuträglichen Abwechslung. Das Frühstück besteht in einer Brenn – Milch – oder Kartoffelsuppe.

Zum Mittagessen wird Suppe, eine Portion Fleisch nebst Gemüse und ein Stück Brot verabreicht. An Festtagen gibt es statt Fleisch eine Mehlspeise. Nachmittags erhält jedes Kind ein Stück Brot. Abends gibt es Suppe mit Brot und nur an hohen Festtagen ist es gestattet, dass Mittags Braten und Salat abgegeben wird.

Das gewöhnliche Getränk ist Wasser, werden aber Kinder dem Alter entsprechend zur Arbeit verwendet, so erhalten diese Nachmittags zum Brot auch Milch oder Bier.

V. Von der Entlassung

§14

Die Kinder sollen solange in der Arbeit bleiben, bis die Knaben insofern sie hierzu adspirien, in eine Lehre kommen, oder zu Ökonomiedienstboten in soweit sie dazu bestimmt werden, tauglich sind, ferner die Mädchen solange, bis sie in einen Dienst untergebracht werden können, was auszumitteln der Verwaltungsrate gemeinschaftlich mit dem Erziehungspersonal sich angelegen lassen sein wird.

VI. Schlussbestimmung

Gegenwärtige Hausordnung, von welchem ein Exemplar im Speisesaal der Erziehungsanstalt aufbewahrt wird, ist jeden Sonntag Nachmittag, nachdem die Kinder das Abendbrot eingenommen haben, durch solche, welche des Lesens bereits kundig sind, abwechslungsweise vorlesen zu lassen.

Regenstauf, den 21. September 1880

Dechant Wiser`sche Fundation

ges. W. Hauser, Pfarrer und Vorstand

gez. Weiss

Der Erziehungsauftrag und Betreuungsrahmen wurde durch das Testament klar geregelt. Aufgenommen sollten demnach nur arme oder in der Erziehung vernachlässigte Kinder werden. Die Betreuung sollte unentgeltlich und nach Geschlechtern getrennt erfolgen. Es sollten Kinder aus dem Markt Regenstauf den Vorrang haben und die Kinder mussten

katholisch sein. Die Erziehung sollte einfach und christlich sein und die Kinder sollten zu Lehrlingen oder braven Dienstboten ausgebildet werden.

Der klare Auftrag an die Erziehungsanstalt bestand folglich in der Bewahrung und damit auch in der Isolierung der Kinder von der Umwelt. Individuelle Bedürfnisse der Kinder wurden nicht anerkannt und sogar als für die herrschende Zucht und Ordnung gefährlich eingeschätzt.

Auch die Zusammensetzung des Verwaltungsrates hat der Stifter im Testament festgelegt. Vorsitzender soll der bestehende Ortspfarrer sein, sein Stellvertreter der jeweilige Bürgermeister (wenn er katholisch ist) und die weiteren Mitglieder sollen aus dem Gemeinderat und der Bürgerschaft von Regenstauf kommen.

Der erste Vorsitzende des Verwaltungsrates war Pfarrer Wolfgang Hauser 1880-1883 (Pfarrer von 1859-1883);heute hat dieses Amt Pfarrer Schottenhammel inne.       

Bürgermeister und somit zweiter Vorsitzender des Verwaltungsrats war bei Gründung: Josef Würdinger 1880-1893. Heute nimmt das Amt Bgm.Siegfrie Böhringer wahr.

Die Schwestern hatten in der Anfangszeit ein sehr schweres und mühsames Leben und es fehlte oft am Notwendigsten. Mangelkrankheiten bzw. Krankheiten infolge unzureichender hygienischer Verhältnisse waren überall weit verbreitet. Auch das Erziehungsheim wurde immer wieder von zahlreichen Krankheiten heimgesucht, die vereinzelt Kindern auch das Leben kosteten.

Schon 1882 wurde bei einer Inspizierung bemängelt, dass die Schlafsäle zu klein sind (ein Saal mit 17 Betten, einer mit 8 Betten). Daraufhin wurde ein großer Schlafsaal für die Buben und zwei Nebenzimmer auf dem Dachboden eingerichtet. Dieser Ausbau kostete damals 2041 Mark und wurde nach dem Tod der Haushälterin durch den Wegfall ihrer Lohnkosten bezahlt. Der von den Schwestern angelegte Garten wurde erweitert, ein Teich im Winter ausgehoben, und ungefähr 100 neue Obstbäume als Ersatz für die im strengen Winter 1881/82 abgestorbenen Bäume angepflanzt.

Bild 7 Auf dem Weiher

Kinder beim Kahnfahren auf dem Anstaltsweiher

Auch der bisherige Kuhstall war schon bald für die bereits vorhandenen 2 Kühe und 2 Kälber zu klein und wurde erweitert. Desgleichen das Waschhaus, an das ein neuer Backofen angebaut wurde.

Die ehemalige Rumpelkammer wurde durchbrochen, mit einer neuen Tür versehen, und in eine Hauskapelle umgewandelt. Die Schwestern hatten also nicht nur für die Erziehung der Kinder zu sorgen, sondern mussten auch ständig die räumlichen Verhältnisse den Veränderungen anpassen.

Bild 8 Hauskapelle

Die Buben besuchten zu dieser Zeit die Volksschule, die Mädchen die Klosterschule und die kleinen Kinder wurden im Heim zur Arbeit, zum Spielen und zum Lernen angehalten.

Große Not herrschte auch während des ersten Weltkrieges und in den Nachkriegsjahren. Für die hungrigen Kinder war oft nicht genügend Brot vorhanden und es mangelte immer wieder am Notwendigsten. Als dann auch der „alte Reichsapfel“ als Gebäude nicht mehr tragbar war, standen die Schwestern vor einem beinahe unlösbaren Problem.

Im Jahr 1922 gewährte ihnen der Staat einen Sonderzuschuss in Höhe von 3000 Mark, der in erster Linie für die Anschaffung von Kleidungsstücken, Wäsche und Heizstoffen zu verwenden war. Allerdings wurde der Einrichtung auch nahe gelegt, aus Gründen einer geordneten Haushaltsführung, das Pflegegeld der herrschenden Teuerung anzupassen, da der Staat nicht in der Lage war, für den gewünschten Ausgleich einzutreten. Das Heim sollte des weiteren bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden Hilfe suchen.

In welcher Höhe und ob überhaupt Pflegegelder zu dieser Zeit vom Stiftungsrat beantragt und vom Staat bezahlt wurden, ist leider nicht bekannt.

Bekannt ist uns nur, dass im Februar 1926 das Stadtjugendamt Regensburg, das dem städtischen Wohlfahrtsamt zugeordnet war, gegründet wurde. Vorläufer dieser Jugendhilfe war die sogenannte Armen- und Waisenfürsorge.

Um eine Schließung des Kinderheimes wegen des veralteten Gebäudes abzuwenden entschloss sich der Stiftungsrat 1929, die zwei alten Nachbarhäuser, das sogenannte Schildhaus und ein altes Wirtshaus, zu erwerben.

Finanziert wurden diese Häuser durch ein Darlehen in Höhe von 9000 Goldmark von den Bischöflichen Stiftungsadministrationen und vermutlich durch den Verkauf von Stiftungsgrund. Das Darlehen war an den Bierbezug des Wirtshauses „Zum Reichsapfel“ bei der Brauerei Bischofshof gekoppelt. Die Kündigung des Vertrags mit der Brauerei Bischofshof hätte die sofortige Rückzahlung des Darlehens bedeutet. Das Darlehen wurde erst im Jahr 1963 in einer Summe zurückbezahlt.

Um die Kinder wieder besser ernähren zu können, wurden zudem 67 Tagwerk der verpachteten Felder zur Eigenbewirtschaftung zurückgenommen. Die Kinder mussten bei der Arbeit auf dem Feld und auf dem eigenen kleinen Bauernhof immer kräftig mithelfen. Dafür wurden sie auch des öfteren von der Schule freigestellt.

Nach dem Willen des Stifters durften auch Lehrlinge nach ihrer Schulentlassung weiterhin in der Einrichtung bleiben. Diese wurden in dem zugekauften Schildhaus untergebracht.

Zur Entlastung und Unterstützung der schwer arbeitenden Schwestern schickte die Generaloberin des Mutterhauses in Mallersdorf vorübergehend immer wieder eine weitere Schwester ins Kinderheim.

Erst 1939 kam dann dauerhaft eine vierte Schwester nach Regenstauf, die sich mehr um die Betreuung der Kinder kümmern sollte.

 

Während des zweiten Weltkrieges kamen zusätzlich noch viele Flüchtlingskinder ins Heim und wieder herrschte große Not. Darüber hinaus kamen auch noch Kinder aus anderen Heimen, die evakuiert werden mussten. Die Zahl der Kinder im Heim stieg rapide an und konnte von den vier Schwestern alleine nicht mehr bewältigt werden, weshalb die Generaloberin von Mallersdorf eine fünfte Schwester nach Regenstauf schickte.

Kurz vor Kriegsende wurde das Kinderheim noch schwer in Mitleidenschaft gezogen, als Regenstauf von ein paar SS-Leuten gegen die anrückenden Amerikaner verteidigt wurde. Riesige Granatsplitter beschädigten die Westseite des Hauses, die Kinderschlafsäle und die Hauskapelle.

Die Kinder und Schwestern blieben bei diesem Angriff glücklicherweise unversehrt und die Schäden wurden im Sommer 1945 behoben.

Bild 15 Weihnachten

In den Nachkriegsjahren wechselten die Schwestern sehr häufig, da viele Schwestern mit der Armut und den primitiven Lebensverhältnissen überfordert waren. Auch der Staat konnte damals kaum einen Beitrag zur Verpflegung der Kinder leisten. Der Pflegesatz für die Heimunterbringung  lag bei nur 2,69 DM pro Tag.

Häufige Kontrollen durch amerikanische Dienststellen, sowie zuständige Jugendämter und Gesundheitsbehörden, erschwerten den Schwestern zusätzlich ihre Arbeit. Beanstandungen durch die Kontrolleure und die Aufforderung nach baulichen Veränderungen waren die Folge. Der Kauf der damals schon alten Nachbarhäuser lag inzwischen auch schon wieder beinahe 30 Jahre zurück.

Der Verwaltungsrat konnte somit eine Modernisierung und Erweiterung des Heimes nicht mehr aufhalten. Zur Finanzierung des Neu- und Umbaus wurde das sogenannte Schildhaus 1957 wieder verkauft. Dies reichte natürlich bei weitem nicht für die Baumaßnahme und so mussten noch ca. 20 Tagwerk Wald an die Bischöfliche Administration verkauft werden. Außerdem gewährte der Bischof einen Zuschuss in Höhe von 100 000,- DM, das Ministerium in Höhe von 30 000,- DM und der Rest wurde durch die Aufnahme eines Darlehens finanziert.

Am 24. Oktober 1959 wurde das „neue“ Kinderheim vom Bischof eingeweiht.

 

Im Jahr 1962 beherbergte das Haus 60 Kinder. Die landwirtschaftliche Arbeit war für die Schwestern und Hilfskräfte aufgrund der stark gestiegenen Anzahl der Kinder kaum mehr zu bewältigen. Landwirtschaftliche Arbeitskräfte waren nirgends aufzutreiben. Aus diesem Grund wurden 1962 die landwirtschaftlichen Nutzflächen wieder verpachtet und die vorhandenen Maschinen verkauft.

Das Glück über die räumlich neuen Gegebenheiten währte nicht lange und wieder kamen neue Richtlinien des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, für die das vorhandene Heim zu klein war. Es sollten höchstens 15 bis 18 Kinder in einer Gruppe zusammen untergebracht werden. Tatsächlich waren es im Kinderheim 2 Gruppen mit jeweils über 30 Kindern.

So bestand wiederum dringender Handlungsbedarf, um die Schließung des Heimes zu verhindern. Dafür wurde nach anfänglichen Schwierigkeiten mit den zu genehmigenden Stellen der angrenzende baufällige Kolpingsaal teilweise abgerissen und umgebaut.

Bereits 1968 konnte eine Schwester mit einer Kleinkindergruppe, bestehend aus 12 Kindern, in die umgebauten Räume einziehen. Finanziert wurde dieser Umbau zum größten Teil durch Eigenleistung der Stiftung und zu einem Drittel durch Zuschüsse.

Auch den nicht mehr zeitgemäßen Weiher im Obstgarten ließen die Schwestern im Jahr 1969 zu einem Schwimmbecken für die Kinder umbauen. Die Kinder hatten dadurch viel Spaß und konnten schon im Sommer 1970 ihre bereits erworbenen Schwimmkenntnisse bei der Wasserwacht in diesem Schwimmbad erweitern.

Vier Jahre später wurden Beschwerden durch die zuständige Aufsichtsbehörde bezüglich der baulichen Anlagen geäußert. Die Aufsichtsbehörde der Regierung der Oberpfalz hatte bei einer Besichtigung 1972 die Räumlichkeiten bemängelt, da es sich immer nur um eine Erweiterung bzw. einen Umbau alter Gebäude handelte und außerdem neue pädagogische Richtlinien (familienähnliche Gruppen) angestrebt wurden.

Der Verwaltungsrat führte daraufhin lange Gespräche, ob man einen Neubau in dem angrenzenden Garten wagen kann und wie dieser Neubau finanziert werden könnte. Die Generaloberin vom Mutterhaus in Mallersdorf lehnte einen Neubau ab, da sie aufgrund von Nachwuchsmangel keine Schwestern mehr nach Regenstauf schicken konnte. Die bereits im Kinderheim tätigen Schwestern setzten sich jedoch für einen Neubau und somit für den Fortbestand des Kinderheims ein. Als nach mühevollen und langen Verhandlungen die Finanzierung gesichert war, wurde am 5. Mai 1975 mit dem Neubau des Kinderheims begonnen.

Nach insgesamt zweieinhalbjähriger Bauzeit und dem dafür notwendigen Abriss des alten Wirtshauses „Zum Reichsapfel“, wurde das neue Kinderheim im Januar 1978 eingeweiht.

Dieses 4,5 Millionen DM Projekt wurde durch Eigenleistung (Verkauf von Feldern), durch Aufnahme eines Kredits und durch einen Zuschuss des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung in Höhe von 1,55 Millionen DM finanziert.

Auch das Mutterhaus Mallersdorf zeigte sich in Zeiten finanzieller Engpässe immer sehr großherzig und verzichtete auf einen Teil ihrer Schwesternvergütung. Der Betrag, der an das Mutterhaus abgeführt werden musste, richtete sich nach den vom Verband der Diözese Deutschlands (VDD) beschlossenen Gestellungsleistungen. Diese betrugen beispielsweise im Jahr 1978 monatlich 1037,- DM pro Schwester plus freie Unterkunft und Verpflegung.

Bild 18 Neubau 1978

In dem „neuen“ Kinderheim gab es vier alters- und geschlechtsgemischte Gruppen und eine reine Bubengruppe mit je 10-12 Kindern. In den darauffolgenden Jahren wurden die Aufnahmeanfragen der Jugendämter immer weniger und somit die Belegung der Gruppen zunehmend schlechter. Im Jahr 1980 waren nur noch drei Gruppen belegt und die Zukunft des Heimes sehr ungewiss.

Ebenfalls ungewiss war die Nutzung des nun leerstehenden Altbaus. Es wurden die unterschiedlichsten Überlegungen angestellt. Man entschied sich im Jahr 1976, die nach Abbruch des alten „Reichsapfel“-Gebäudes fehlende Gaststätte in den Altbau zu verlegen. Dieser sollte dazu zweckentsprechend umgebaut werden. Als die Brauerei Bischofshof die Kostenübernahme für die gesamte Gaststätteneinrichtung zusicherte, konnte im selben Jahr noch mit dem Umbau des Altbaus begonnen werden. Im Gegenzug musste die Gaststätte 4.500 hl Bier abnehmen. Im Mai 1977 wurde ein Pächter für die Gaststätte und die dazugehörende Wohnung gefunden. Diese Gaststätte existierte nach mehrmaligem Pächterwechsel bis zur Kündigung des Pachtvertrages im Jahr 1993.

Die ungewisse Zukunft des Heimes aufgrund der schlechten Belegung versuchte der Verwaltungsrat im Jahr 1985 durch die Einladung des Leiters des Kreisjugendamtes Regensburg zu einer Verwaltungsratsitzung zu klären. Dieser empfahl zur Erhaltung des Heimes die Einstellung eines Heilpädagogen, für jede Gruppe einen Erzieher (eine Erzieherin) als Gruppenleiter, zusätzlich einen zweiten Erzieher (eine zweite Erzieherin) und einen Helfer (eine Helferin). Der Verwaltungsrat nahm diesen Rat an und stellte 1985 den ersten Heilpädagogen, 1986 den ersten Psychologen und einige Erzieherinnen ein.

Auch die 1980 freigewordenen Gruppenräume wollte man nicht leer stehen lassen und vermietete diese 1987 vorübergehend an den Pfarrkindergarten, da deren Kindergarten zu klein wurde. Dafür wurden die Räume entsprechend neu hergerichtet und von insgesamt 40 Kindergartenkindern vormittags und nachmittags genutzt.

Ebenfalls auf Empfehlung, diesmal durch die Heimaufsicht der Regierung der Oberpfalz, wurde 1989 der erste männliche Sozialpädagoge eingestellt. Dabei handelte es sich um den noch heute als Geschäftsführer tätigen Karl Heinz Weiß. Er war der erste "weltliche" Leiter (anfangs Erziehungsleiter) im Heim. Er brachte viele neue Ideen und Anregungen mit und stellte das Heim von einer heilpädagogisch orientierten in eine heilpädagogische Einrichtung um. Dazu war ein höherer Personalschlüssel notwendig und somit auch höhere Pflegesätze.

Auch die freigewordenen Räume im ehemaligen Kolpingsaal versuchte man sinnvoll zu nutzen. Darin wurde  vorübergehend eine vom Thomas Wiser Haus geleitete Spielgruppe für 10-12 Aussiedlerkinder mit Integrations- und Sprachproblemen eingerichtet.

Des weiteren wurde 1990 die erste Jugendwohngruppe (JWG) vorübergehend im Altbau einquartiert. Vorher wurden heranwachsende Jugendliche aus den Kindergruppen in anderen Heimen untergebracht, da im Haus keine Unterbringungsmöglichkeit für Jugendliche bestand.

Bild 19 JWG vor Umzug HaR

Ziel einer JWG ist die Verselbständigung der Jugendlichen. Sie führen in der Gruppe einen weitgehend selbständigen Haushalt. Dazu gehören unter anderem Einkaufen, Kochen, Wäsche waschen, Reinigen der Räume, Renovierungsarbeiten und Ausüben von kleineren Reparaturen. Die Betreuung des/ der Jugendlichen endet, wenn er/ sie einen Schulabschluss und eine geeignete Ausbildung gemacht hat und daher zur selbständigen und eigenverantwortlichen Lebensführung im eigenen Haushalt fähig ist.

Somit war 1991 das Heim mit insgesamt 48 Kindern in 4 Gruppen wieder ein modernes und konkurrenzfähiges Heim geworden.

Auch mit der Aufnahme eines völlig durch Missbrauch verstörten Mädchens im Jahr 1992 wollte man neue Maßstäbe setzen. Man merkte schnell, dass dieses Mädchen in keiner Gruppe gut integrierbar ist. Der Wunsch nach einer eigenen therapeutischen Gruppe für stark vernachlässigte, misshandelte und missbrauchte Kinder wurde immer größer. So wurde schon bald nach geeigneten Räumen für eine derartige Gruppe von Kindern, mit schweren Störungen ihrer Entwicklung und Persönlichkeit, gesucht. Man einigte sich auf eine Unterbringung der Kinder außerhalb des Heimgeländes. Es wurde bald ein geeignetes Haus gefunden, angemietet und die entsprechenden Erzieher und Praktikanten für die Gruppe eingestellt.

Dieser Mietvertrag wurde jedoch 2002 wegen Verkaufsabsichten der Vermieter gekündigt und somit stellte sich erneut die Frage, wohin man mit dieser Gruppe, die den Namen „Villa Kunterbunt“ trägt, gehen sollte. Nach ausgiebiger Überlegung entschloss man sich zum Bau eines eigenen Hauses in Regenstauf. In diesem Haus lebt die Gruppe „Villa Kunterbunt“ seit September 2003 und sie alle fühlen sich in den neuen Räumlichkeiten sehr wohl.

Bild 20 Villa im Garten

Selbst die Erweiterung des Kinderheims durch die Außengruppe Villa Kunterbunt reichte bald nicht mehr aus für die vielen Aufnahmeanfragen der Jugendämter. Da kam der Auszug des Pfarrkindergartens im Jahr 1993 nach der Fertigstellung der Umbauarbeiten des alten Kindergartens sehr gelegen und es konnte in diesen Räumen eine weitere Kindergruppe („Gruppe 4“) eröffnet werden. Kindergruppen nehmen Kinder ab dem 3. Lebensjahr auf, die eine längerfristige Perspektive benötigen. Grundlage ist es, den Kindern liebevolle Zuwendung, Sicherheit und klare Grenzen zu geben. Die heilende Pädagogik entsteht im gemeinsamen Leben von Kindern, Jugendlichen und MitarbeiterInnen.

Die Hilfe zur Erziehung ist erfolgreich beendet, wenn eine positive Reintegration des Kindes in die Herkunftsfamilie möglich ist oder es in eine andere Form der Betreuung vermittelt werden kann. Bei entsprechendem Alter wird der/die Jugendliche bzw. junge Erwachsene in eine selbständige Wohnform begleitet.

 

Mit dem 75. Geburtstag der Heimleiterin Schwester Liliosa im Jahr 1993 wurde offiziell die Heimleitung an Pfarrer Rosner und anschließend an Herrn Weiß abgegeben. Auch Schwester Archella gab 1994 die Gruppenleitung ab und blieb bis zum Tod von Schwester Liliosa im Jahr 2001 noch im Haus. Aufgrund von Nachwuchsmangel im Mutterhaus in Mallersdorf wurden keine neuen Schwestern mehr nach Regenstauf geschickt. Somit endete die Anwesenheit von Schwestern im Heim mit dem Tod von Schwester Liliosa am 30.07.2001.

Ein ganz neues gruppenübergreifendes Angebot kam 1993 mit der Einstellung eines Freizeitpädagogen in die Einrichtung. Freizeitpädagogen bieten fachliche Angebote auf freizeit-, erlebnis- und handlungspädagogischer Ebene für die Kinder und Jugendlichen an. Kinder und Jugendliche sollen dadurch lernen, mit ihrer freien Zeit konstruktiv umzugehen. Sie sollen eigene Ideen umsetzen und lernen, Fähigkeiten zu erwerben und auszuleben. Dabei wird ihre Sozial-, Persönlichkeits- und Sachkompetenz erweitert.

Seit mehr als zehn Jahren veranstaltet mittlerweile eine Freizeitpädagogin verschiedene Projekte. Dies sind z.B. immer wieder kehrende Projekte wie die Organisation und Teilnahme an dem Weihnachtsmarkt der sozialen Initiative in Regenstauf, ein Sommerfest im 2-Jahres Rhythmus, monatliche Veranstaltung eines Kinderkinos, jährliches Open Air Kino und ein Benefizlauf in Kooperation mit dem Regensburg Marathon.

Weitere freizeitpädagogische Angebote sind verschiedene Kunstprojekte zusammen mit Kunststudenten aus Regensburg; Kletteraktionen; Benefizveranstaltungen wie Theater, Konzerte und Kabarett; Kochkurse; Nähkurse und vieles mehr.

Bild 24 Freizeit Mauergestaltung

Gut fünf Jahre nach Gründung der Jugendwohngruppe war diese noch immer im Altbau untergebracht. Eigentlich sollte dies nur eine vorübergehende Lösung sein. Nach langem Suchen nach einer geeigneten Unterkunft wurde 1995 das „Wimmersheim“ in Ramspau erworben. Dieses ehemalige Kolpinghaus war in einem sehr desolaten Zustand und musste erst einmal komplett saniert und umgebaut werden. Die Jugendlichen konnten bei ihrem neuen Zuhause sehr viel mithelfen und wurden dadurch sehr stark in den Veränderungsprozess mit einbezogen. Für diesen Umbau erhielt das Thomas Wiser Haus beim 5. Landkreiswettbewerb den 3. Preis für landschaftsbezogenes Bauen.

Der Altbau stand jedoch nach Auszug der JWG in ihr neues „Haus am Regenbogen“ in Ramspau im Jahr 1997 nicht lange leer, da aufgrund vieler Aufnahmeanfragen eine neue JWG wiederum vorübergehend im Altbau errichtet wurde. Diese Jugendwohngruppe ist heute immer noch in der „Übergangstätte“ Altbau untergebracht. Im Jahre 2008 konnte die Heilpädagogische Jugendwohngruppe "Im Altbau" nach einer grundlegenden Sanierung in die zwischenzeitlich frei gewordenen Räume des Konvents und der Kapelle umziehen. Es galang eine Raumkonzept umzusetzen (Gemeinschaftsräume kombiniert mit Apartments für jeden Jugendlichen) das den Anforderungen einer modernen Pädagogik gerecht wird.

Ebenfalls im Altbau wurde im September 1996 die erste heilpädagogische Tagesstätte (HPT) gegründet. Diese Gruppe musste in den vergangenen  Jahren schon zweimal umziehen und ist heute in der für den damals tätigen Bischöflich Geistlichen Rat Malterer umgebauten Wohnung. Der Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit einer HPT liegt in der individuellen Entwicklungsförderung der Kinder, der schulischen Förderung, der Beratung, der Anleitung und dem Training der Eltern. Die Kinder lernen klare, verbindliche Strukturen und Regeln. Neben der Hausaufgabenbetreuung üben sie neue Verhaltensweisen im Umgang mit anderen und werden in hauswirtschaftliche Tätigkeiten mit einbezogen. Diese Nachmittagsgruppe ist vor allem für Jungen und Mädchen, die einen erhöhten erzieherischen Bedarf haben (z.B. ADHS, Lern- und Leistungsprobleme, familiäre Krisen).

Auf Anfrage des Landkreises Schwandorf wurde im Jahr 1998 eine zweite HPT („HPT Bullerbü“) in einem dafür angemieteten Haus in Burglengenfeld eröffnet. Das Thomas Wiser Haus konnte mit dieser Gruppe eine Lücke in der teilstationären Versorgung, insbesondere von Kindern mit Teilleistungsstörungen und erheblichen familiären Problemen lösen. Die Vermeidung einer Fremdplatzierung von Kindern wurde im Landkreis möglich. Bedauerlicheweise musste das Thomas Wiser Haus die Gruppe 2008 wieder schließen, da die Anfragen des Landkreises zurück gingen.

Nicht nur vom Jugendamt entsandte Kinder und Jugendliche werden im Thomas Wiser Haus aufgenommen. Es gibt darüber hinaus auch separate Räume in den Gruppen für die sogenannte Inobhutnahme. Es wird dabei Unterkunft und Schutz angeboten, man sorgt für das Wohl des Kindes oder Jugendlichen, es wird beraten und es werden ihm in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung aufgezeigt. Die Inobhutnahme kann bis zu drei Tagen gewährt werden. Darüber hinaus kann eine individuelle Betreuungsvereinbarung mit dem Jugendamt getroffen werden. Das Jugendamt nimmt ein Kind oder einen Jugendlichen in seine Obhut, wenn das Kind oder der Jugendliche um Obhut bittet und das Wohl des Kindes oder Jugendlichen die Inobhutnahme erfordert.

Ist das Jugendamt nicht zu erreichen, werden die Kinder und Jugendlichen auch direkt aufgenommen, wenn sie in die Einrichtung kommen, von der Polizei oder Dritten gebracht werden.

Dezeit bietet das Thomas Wiser Haus Plätze für Inobhutnahmen in Regenstauf, Cham und Ramspau für Jugendliche, in Regenstauf und Willmering für Kinder an.

Neben dem „normalen“ Heimbetrieb wurde 1996 erstmals auch ein erlebnispädagogisches Langzeitprojekt namens „Cinque-Torre“ gestartet, das den Gruppenprozess ein Jahr begleiten sollte. Cinque-Torre ist ein gigantischer Klettergarten in den Ampezzaner Dolomiten, dessen Besuch den Abschluss des Projekts bilden sollte. Durch dieses Projekt wurde anhand erlebnispädagogisch orientierter Maßnahmen die Verselbständigung von Jugendlichen neben vielfältigen pädagogischen Ansätzen erarbeitet. Das Projekt bestand aus einer Reihe von Maßnahmen wie Klettern, Kanufahren oder Bergtouren. Mehr als ein halbes Jahr sind die Jugendlichen mit ihren Erziehern immer wieder in die Berge gefahren. Dabei sollte eine Gruppe Jugendlicher lernen, soziale Verantwortung für das eigene Leben und das anderer zu übernehmen. Dieses Projekt erhielt beim Internationalen Kongress „Erleben und Lernen“ in Augsburg in der Kategorie Projekte den ersten Preis. Gewürdigt wurden damit die professionelle Durchführung, die Dokumentation und die bei verhaltensauffälligen Jugendlichen erzielten pädagogischen Erfolge.

 

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem ersten Projekt startete das Thomas Wiser Haus im Juni 1999 zusammen mit drei anderen stationären Jugendhilfeeinrichtungen aus Italien, Österreich und Deutschland das sogenannteRegenbogenprojekt. Hierbei handelte es sich um fünf Einzelaktionen über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr, zu denen sich die Einrichtungen gegenseitig einluden und diese gemeinsam durchführten. Dabei wurde  ein Abenteuercamp veranstaltet, in den Bergen gewandert, Tage im Schnee und am Wasser (Chiemsee) verbracht und zum Abschluss ein Holzhaus (die „Regenbogenhütte“) als zukünftige Begegnungsstätte unter Anleitung von Handwerkern gebaut. Durch das Projekt lernten die Jugendlichen Spaß an der Begegnung, am gemeinsamen Erleben und die Wertschätzung fremder Menschen. Sinnvolles gemeinsames Tun macht auffälliges Verhalten überflüssig und kann neue Lebensideen aufbauen. Die positiven und nachhaltigen Wirkungen eines Langzeitprojekts für sozial benachteiligte junge Menschen wurden auch hier deutlich sichtbar.

Bild 35 Regenbogenprojekt4

Der Heimbetrieb des Thomas Wiser Hauses hat sich im Jahre 1999 erstmals auf das Stadtgebiet Regensburg ausgeweitet. Zu dieser Zeit musste vom zwei Jahre zuvor gegründeten Verein Regensburger Mädchenarbeit (Verein für missbrauchte Mädchen) der Betrieb einer Zufluchtstelle für Mädchen mangels Nachfrage eingestellt werden. Dieser hatte für seinen Zweck ein Haus gekauft und über Zuschüsse und Darlehen finanziert. Dieser Verein hat dem Thomas Wiser Haus die Übernahme dieses Hauses mitsamt allen Darlehensverpflichtungen angeboten, da sie ansonsten die erhaltenen Zuschüsse zurückbezahlen hätten müssen. Nach sorgfältiger Prüfung und Abwägung der Vor- und Nachteile wurde dieses Haus namens „8 Sterne-Gruppe“ übernommen und eine Gruppe von Regenstauf nach Regensburg verlegt. In dieser Gruppe befinden sich Kinder und Jugendliche, die einen besonderen Erziehungsbedarf oder eine seelische Behinderung haben und deren Eltern die Erziehung nicht leisten können.

 

Im Jahr 2000 entstand aus der Erkenntnis heraus, dass in manchen Fällen die Einbeziehung der Eltern in die therapeutische Arbeit sehr wichtig ist, eine neue familientherapeutische fünf Tage Kinderwohngruppe namens „Eulenspiegel“.

Sie soll ein familienunterstützendes und –ergänzendes Angebot mit dem Ziel der Rückführung des Kindes in eine veränderte familiäre Situation nach in der Regel maximal 2 Jahren sein. Wesentlicher Bestandteil und damit Voraussetzung ist die gezielte Zusammenarbeit mit den Eltern. Die Familie wird als Lernfeld gesehen, das für die Kinder während der Zeit der stationären Unterbringung erhalten bleiben und aktiv in den Hilfeprozess miteinbezogen werden soll. Die Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahren werden daher an den Wochenenden und größtenteils in den Ferien nach Hause beurlaubt.

Bild 37 Eulenspiegel Ausflug Laden

Eine weitere Ausdehnung der erfolgreichen Arbeit in den Landkreis Cham verdankt das Thomas Wiser Haus dem Wunsch des Jugendamts Cham im Jahr 1998 nach Errichtung eines Kinder- und Jugendhilfezentrums. In der ersten Phase sollte eine Jugendwohngruppe und eine heilpädagogische Tagesstätte errichtet werden, da dort bisher kein geeignetes Angebot bestand. Das Jugendamt wollte die Kinder nicht zu weit von ihrem zu Hause entfernt betreuen, da sie teilweise schon Ausbildungsstellen im Landkreis hatten oder einen Schulwechsel für nicht sinnvoll hielten.

Nach langen Verhandlungen und der parallel dazu verlaufenen Suche nach einem geeigneten Grundstück oder Haus, beschloss der Stiftungsrat im Jahr 2001 diesem Wunsch nachzukommen.

Dazu wurden zwei Grundstücke neben der Teilhauptschule und Grundschule in Cham gekauft und darauf 2 Häuser gebaut. Schon im darauffolgenden Jahr konnten in diese Häuser eine HPT und eine JWG einziehen. Diese Häuser wurden zum größten Teil durch Zuschüsse finanziert.

Bild 39 HPT Cham

Seit Sommer 2003 bietet das Thomas Wiser Haus nun die Heilpädagogische Betreuung von Kinder in der Heilpädaogischen Tagesgruppe in Cham in Verbindung mit intensiver Elternarbeit an.

Für Jugendliche ab dreizehn Jahren besteht die Möglichkeit sich auf ein selbstständiges Leben in der Jugendwohngruppe in Cham vorzubereiten.

Eine ganz neue Projektidee entstand 1999 aus der Erfahrung heraus, dass es viele Bücher gibt, die das Leben in der Familie beschreiben, jedoch kaum ein Buch, das die Lebensform Kinderheim beschreibt. Viele Kinder haben nicht das Glück in einer intakten Familie aufzuwachsen, sondern leben in einem Kinderheim. Aus dieser Erkenntnis heraus hat eine Projektgruppe bestehend aus Pädagogen und Heimkindern im Jahr 2000 ein eigenes Buch geschrieben und illustriert. In diesem Buch wird eine Geschichte erzählt, die alle Heimkinder schon einmal erlebt haben. Es handelt vom Verlassen der Familie und Eingewöhnen in einer neuen, fremden Umgebung – dem Heim. In Ich-Form erzählt ein Mädchen namens Lisa mit deutlichen Worten, warum sie nicht bei ihren Eltern bleiben konnte, wie sie ins Heim gebracht wurde und dort ihren ersten Tag erlebte. Bilder zum Buch lieferte ein Malwettbewerb „Mein schönstes Erlebnis im Kinderheim“ von 6 Kindern im Alter von 6 bis 18 Jahren. Auch wenn mit diesem Buch kein monetärer Gewinn erzielt wurde, so haben die Kinder durch die Anerkennung ihrer Leistung einen sehr hohen persönlichen Erfolg erlangt.

Das Buch mit dem Namen „Lisa... und dann kam ich ins Heim“ erhielt zwei Auszeichnungen und ist im Thomas Wiser Haus, über den Verlag edition buntehunde und im Buchhandel erhältlich.

Bild 40 Lisabuch

Das bislang letzte erlebnispädagogische Langzeitprojekt startete das Thomas Wiser Haus im Jahr 2001. Dabei wollte die Gruppe einen Beitrag zu einem toleranten und offenen Europa leisten und gleichzeitig den, in vielen Bereichen benachteiligten Jugendlichen, wertvolle Erfahrungen und Erlebnisse ermöglichen. Dieses Projekt namens „bike 2 history“ war für 18 benachteiligte Jugendliche (9 aus Österreich und 9 aus Deutschland) und deren Betreuer konzipiert. Der größte Teil der Strecke zwischen Regensburg und Salzburg wurde bei dieser Aktion auf dem Fahrrad zurückgelegt. Dabei sollte den Jugendlichen auf dem Weg die gemeinsame Geschichte „erlebbar“ gemacht werden. Geschichtliche Stationen waren dabei das bäuerliche Leben früher und heute, das Leben in einem Keltendorf mit handwerklicher Schulung, das klösterliche Leben im Mittelalter und der Besuch eines Konzentrationslagers. Begleitet wurde dieses 16-tägige Projekt von den neuen Medien (täglich aktualisierte Website), einer Abschlussausstellung und Pressekonferenz in Salzburg.

Bild 41 bike2history

Die bislang letzte Gruppen-Angebotserweiterung ist eine Gruppe für Langzeitkinder ab dem 6. Lebensjahr, genannt „Noahs Nest“. Die Betreuung und Förderung des Kindes hinsichtlich seiner Entwicklungsaufgaben erfolgt durch alltags- und handlungsorientierte Pädagogik, d.h. durch die Betreuung von verschiedenen Tieren und der Bewirtschaftung von Obst- und Gemüsegarten. Hier wird der Grundgedanke der Selbstversorgung, den alle Gruppen hinsichtlich kochen, waschen und putzen befolgen noch weiter gefasst. Die Kinder lernen im Umgang mit den Tieren Verantwortung zu übernehmen, denn die Tiere brauchen regelmäßige Betreuung.

Beim Ernten und Bewirtschaften des Obst- und Gemüsegartens lernen die Kinder wie bspw. Saft und Marmelade entsteht und vieles mehr. Ziel ist es, dass die Kinder in diesem „Nest“ positive Bindungserfahrungen machen können und ganzheitlich in ihrer Entwicklung gefördert werden.

Bild 43 Noahs Nest

Auf Grund der Nachfrage im Landkreis Cham würde 2008 die Heilpädagogische Kinderwohngruppe in Willmering aufgebaut. Unerwarteter Weise bestand große Nachfrage nach Plätzen für Kinder von zwei bis sechs Jahren. So sind von den acht Kindern aktuell vier Kinder im Kindergartenalter.

Das Thomas Wiser Haus bietet auch zahlreiche ambulante Hilfsangebote::

v  Im Jahr 1992 startete das ambulante Konzept „Außenbetreutes Wohnen“, das ein Angebot für junge Erwachsene bzw. Jugendliche ab dem 16. Lebensjahr darstellt. Ziel ist eine selbständige Haushalts- und Lebensführung durch die ambulante Betreuung von einem sozialpädagogischen Mitarbeiter in einer eigenen Wohnung zu erreichen. Voraussetzungen sind der regelmäßige Besuch einer Schule oder Ausbildung, die Fähigkeit zur eigenen Haushaltsführung, die Bereitschaft zur Beratung, Anleitung und Kontrolle durch eine(n) BetreuerIn und die hinreichende Wahrscheinlichkeit zum Erfolg dieser Maßnahme. „Außenbetreutes Wohnen“ ist inzwischen zu einem festen Bestandteil unserer Einrichtung geworden.

v  Kurz nach Einführung des „Außenbetreuten Wohnens“ wurden im Altbau die „Betreuten Wohngemeinschaften“ für drei bzw. zwei Jugendliche errichtet. Aufnahmevoraussetzungen waren die gleichen wie beim „Außenbetreuten Wohnen“ mit dem Zusatz zur Bereitschaft der Zusammenarbeit und konstruktiven Auseinandersetzung mit den Mitbewohnern. Die „Betreuten Wohngemeinschaften“ wurden von 1993 bis 2001 angeboten.

v  Eine ambulante Hilfe zur Erziehung ist die sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH), die seit 5 Jahren angeboten wird. SPFH soll durch intensive Betreuung und Begleitung Familien in ihren Erziehungsaufgaben, bei der Bewältigung von Alltagsproblemen, der Lösung von Konflikten und Krisen, im Kontakt mit Ämtern und Institutionen unterstützen und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Sie ist in der Regel auf längere Dauer angelegt und erfordert die Mitarbeit der Familie. Zielgruppen dieser Hilfen sind Familien, die aufgrund aktueller Krisen und Belastungssituationen ihre Erziehungsaufgabe nicht adäquat erfüllen können bzw. damit überfordert sind. Eine pädagogische Fachkraft unterstützt vor Ort im häuslichen Umfeld durch intensive Beratung und Begleitung die Familie. Voraussetzung ist daher, dass die Familie mit dieser Maßnahme einverstanden ist und das zuständige Jugendamt die Finanzierung der Hilfe gewährt.

v  Im Frühjahr 2003 wurde der „Begleitete Umgang“ in das Angebot mit aufgenommen. Begleiteter Umgang ist ein Angebot an Väter oder Mütter, die aufgrund einer Weisung des Familiengerichts ein Umgangsrecht mit ihrem Kind oder mit ihren Kindern unter bestimmten Auflagen haben. Dabei werden Eltern beraten, angeleitet und somit angemessene Kontakte zwischen Mutter/Vater und Kind zum Wohl des Kindes ermöglicht und sichergestellt.

v  Ein weiteres ambulantes Angebot für Eltern ist im Jahr 2004 aus der Erkenntnis heraus entstanden, dass diese sehr häufig ein erzieherisches Defizit haben und somit dringend eine Stärkung ihrer erzieherischen Kompetenz benötigen. Daraufhin wurde ein Elterntraining gegen geringe Gebühr entwickelt, das von einer Diplompädagogin und einer Diplompsychologin geleitet wird. An vier Abenden soll der Umgang mit erzieherischen Schwierigkeiten erarbeitet und erleichtert werden.

v  Für den Landkreis Cham bot das Thomas Wiser Haus von 2005 bis 2007 erstmals ein gruppenpädagogisches Training für Jugendliche und junge Volljährige an, das durch jugendrichterliche Entscheidung angeordnet wird. Der soziale Trainingskurs richtete sich an Jugendliche und junge Volljährige, bei denen zu vermuten ist, dass die Straffälligkeit auf erzieherischen bzw. sozialen Defiziten beruht. Auf sie soll dem Erziehungsgedanken des Jugendgerichtsgesetzes folgend pädagogisch eingewirkt werden, um sie vor einem Abgleiten in eine kriminelle Lebensbahn zu bewahren. Dieser Trainingskurs mit 8-10 Teilnehmern findet im Rahmen von drei Tagesseminaren, insgesamt neun Gruppenabenden und drei Einzelgesprächen im Thomas Wiser Haus in Cham statt.

v  Ebenfalls für den Landkreis Cham bietet das Thomas Wiser Haus seit Februar 2005 eine Legasthenie-Therapie an. Legasthenie ist eine Teilleistungsschwäche des Gehirns, die sich hauptsächlich in einer Störung des Lesens und Rechtschreibens bemerkbar macht. Betroffenen Jungen und Mädchen kann mit einer kombinierten Psycho- und Lerntherapie zur Behandlung von seelischen Problemen sowie gezielter Aufbau der Lese- und Rechtschreibleistung gut geholfen werden. Voraussetzung für eine Kostenübernahme der Therapie durch das Jugendamt ist lediglich die Bestätigung eines Facharztes, dass Legasthenie und eine damit verbundene seelische Behinderung vorliegt oder droht und diese Diagnose durch einen Schulpsychologen bestätigt wird. Ist Legasthenie diagnostiziert und eine Therapie vom Jugendamt genehmigt worden, leitet eine eigens dafür eingestellte Psychologin mit entsprechender Zusatzausbildung einmal wöchentlich eine Einzeltherapie, die auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes abgestimmt ist.

Was wird die nächste Zukunft bringen: Für Ende 2010 ist der Aufbau der Gruppe URMEL geplant.

Es handelt sich hier um eine Kriseninterventionsgruppe für ganz kleine Kinder, Säuglinge und Kinder bis zu sechs Jahren. Mit aufgenommen werden können auch bis zu zwei Mütter der Kinder. Das Thomas Wiser Haus betritt hier modellhaft Neuland in der Betreuung kleiner Kinder und ihrer Mütter.

Grundlage der Arbeit im Thomas Wiser Haus ist es, den Kindern liebevolle Zuwendung, Sicherheit und klare Grenzen zu geben. Ziel ist es, sie in ihrer individuellen Entwicklung zu erleben, zu fördern und sie zu befähigen, sich in die Gesellschaft positiv zu integrieren. Eine heilende Pädagogik entsteht im gemeinsamen Leben von Kindern, Jugendlichen und MitarbeiterInnen. Zwölf Gruppen mit über hundert Kindern und ca. sechzig Mitarbeitern folgen inzwischen dem Leitsatz:Leben im Thomas Wiser Haus – Mensch sein, sich begegnen und erleben.

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